Gewerbeverein Altenstadt e.V.

Nach dem Pro zur Umgehungsstraße kommt der Alltag

Altenstadt (hr). Der Bürgerentscheid zur Umgehungsstraße Altenstadt brachte ein eindeutiges Ergebnis für den Bau der zuletzt auch in sozialen Netzwerken emotional und teils beleidigend diskutierten Baumaßnahme. Sie kommt jetzt auf den Weg, wenngleich Altenstadts Bürgermeister Norbert Syguda noch mit Einwänden der Gegner rechnet. Zu Recht, denn BUND und NABU kündigten bereits an, »die Planungen von Hessen Mobil und Bundesverkehrsministerium genau zu verfolgen«. Klar war die Meinung der Bürger der Kerngemeinde Altenstadt: 63,6 Prozent waren für, 36,4 Prozent gegen den Bau der »OU«. Aus den Ortsteilen hielten einzig die Oberauer mit 71,7% dagegen. Zu wenig, um die Ortsumgehung zu stoppen.

Der Gewerbeverein Altenstadt akzeptiert das demokratische Ergebnis des Bürgerentscheids. Den Vorstand der Interessenvertretung, der sowohl die Ängste der Fachgeschäfte in der Vogelsbergstraße, als auch die Forderungen der Mitgliedsbetriebe in der Waldsiedlung nach einer schnelleren Anbindung berücksichtigen musste, freut es, dass die Entscheidung die Bedenken vieler Bürger widerspiegelt und nicht das fast 100-prozentige Votum des Parlaments für die Umgehungsstraße. Der Vorstand ist jetzt »gespannt« auf die angekündigten Vorschläge der Gemeinde, mit denen bereits heute die Situation verbessert werden soll. Scharf verurteilte der Vorstand Boykottaufrufe zum Einkauf in den Fachgeschäften der Vogelsbergstraße, Schmäh-Mails und beklebte Ortstafeln des Gewerbevereins.
Im »Kreis-Anzeiger« skizzierte Bürgermeister Norbert Syguda ein Zeitfenster, in dem er von ca. sieben Jahren ausgeht, in denen »sämtliche Schritte von den Vorentwurfsplanungen über das Planfeststellungsverfahren bis hin zum Baurecht erfolgt sein könnten«. Der Rathauschef sah bei der anhaltend milden Witterung noch in diesem Jahr die stichprobenartige Untersuchung des Bodens hinsichtlich von Standfestigkeit der künftigen Trasse oder möglicher Kontaminierungen. Syguda rechnet danach alleine zweieinhalb Jahre für die Vorentwurfsplanung unter Beteiligung der Gemeinde. Zu den Themen Umweltverträglichkeit, Hochwasser- und Lärmschutz sind die Umweltschützer auf den Plan gerufen, die, so Dr. Werner Neumann vom NABU Altenstadt, »genau prüfen werden, was auf den Tisch kommt!« Für Dr. Neumann kann es nicht sein, dass jetzt die Vogelsbergstraße »noch weitere zehn Jahre dahin dümpelt«. Auch von dem im Februar beschlossenen Arbeitskreis der Gemeinde habe man »nichts mehr gehört«.
Ein fertiger Vorentwurf muss nach den Worten des Bürgermeisters vom Parlament für gut geheißen werden, danach beginne das Planfeststellungsverfahren. Dafür setzte Syguda in der Presse vorsichtige drei Jahre an, warnte aber auch davor, dass dann die notwendigen Mittel zum Bau der Umgehungsstraße bereit stünden.
Neben den Bedenken der Naturschützer und des Gewerbevereins-Vorstandes, der seine Arbeit für die Innenstadtgeschäfte, aber auch die Firmen in den Ortsteilen fortsetzen will, gab es zum Ausgang des Bürgerentscheids pro Umgehungsstraße positive Stimmen vom Verein Oberhessen. Für den aktuellen Vorsitzenden Carsten Krätschmer, Bürgermeister der Gemeinde Glauburg werde das »Nadelöhr Altenstadt« irgendwann verschwinden und damit sei die schnellere Anbindung des oberhessischen Raumes an den Wirtschaftsstandort Frankfurt gewährleistet. Ortenbergs Bürgermeister Ulrike Pfeiffer-Pantring, die ihre wirtschaftlich schwächelende Innenstadt vor Augen hat, sah für alle Beteiligten »eine große Herausforderung, Stadtentwicklung und Ausgleichsplanung intelligent zu gestalten«.
Als »wichtige Entscheidung für die Verkehrsinfrastruktur in der östlichen Wetterau« wertet die CDU-Kreistagsfraktion den avisierten Bau der Ortsumgehung. Fraktionsvorsitzender Sebastian Wysocki »gratulierte« in einer Pressemitteilung den Altenstädtern zu ihrer Entscheidung, die den Wetteraukreis besser vernetze und Ortskerne entlaste. Es könne nicht sein, so die CDU-Kreistagsfraktion, dass dort, »wo sich das Leben abspielen soll, die Ortskerne im Dunst von Abgasen und Autolärm unattraktiv werden«.

7. 12. 2014: Pro oder Kontra Umgehungsstraße Altenstadt

Altenstadt (hr). »Sind Sie dafür, dass der Beschluss der Gemeindevertretung vom 6. Juni 2014, den Vorzugsvarianten 1 und 2.1. der Ortsumgehung zuzustimmen, aufgehoben wird?« Auf diese Formulierung einigten sich 24 Parlamentarier der Altenstädter Gemeindevertretung, drei enthielten sich. Die Frage ist Kernpunkt des Bürgerentscheids zur geplanten Altenstädter Ortsumgehung, den die Politiker auf Sonntag, den 7. Dezember 2014, terminierten. Gleichzeitig bestätigte Bürgermeister Norbert Syguda dem Haus, dass das vorangegangene Bürgerbegehren geprüft worden sei und alle Kriterien erfüllt wurden.
1.277 Unterschriften für einen Bürgerentscheid gegen die geplante Umgehungsstraße bei Altenstadt sind für die Organisatoren Norbert Heidke (Bürgerinitiative), Karl Ventulett (Fraktion Die Grünen) und die Vertreter der Naturschutzverbände Kurt Jungkind (NABU) und Dr. Werner Neumann (BUND) ein »gutes Ergebnis«, mit dem man optimistisch in den Bürgerentscheid gehe, bei dem das Votum von mindestens 25 Prozent aller stimmberechtigten Einwohner – in der Großgemeinde Altenstadt rund 9.000 Wahlberechtigte – gegen oder für den Bau der Umgehungsstraße entscheiden wird. In einer neuerlichen Abstimmung im Gemeinschaftshaus Waldsiedlung als notwendige Formalsache waren wieder eine Mehrzahl der Gemeindevertreter, 21 Ja-, sechs Nein-Stimmen, für den »dringend notwendigen Bau« der Ortsumgehung, um die Vogelsbergstraße zu entlasten, die Anwohner zu schützen und den Einkaufswert der Geschäftsstraße zu steigern. Die Befürworter versprechen sich davon eine Wertsteigerung für die Zukunft.
Ganz anders sehen vor allem die Naturschützer das Bauwerk. Sie befürchten einen »immensen Schaden in der Auenlandschaft«, so Sprecher Dr. Werner Neumann. Alle Naturschutzfachleute, auch der Naturschutzbeirat des Wetteraukreises, sprechen sich entschieden gegen Trasse und Brückenbauten in diesem sensiblen Bereich aus. Der Vorstand des Gewerbevereins Altenstadt weist auf das Mandat von über 20, meist familiengeführten Fachgeschäften hin, die nach wie vor bei einer Ortsumgehung um ihre Existenz fürchten. Die Aral-Tankstelle Gering wäre das erste Opfer, weitere Schließungen oder Entlassungen seien zu befürchten. »Es reicht eben nicht«, so Vorsitzender Hans-Dieter Stehr, »auf gelungene Umgehungsstraßen in weit größeren Kommunen hinzuweisen.« Vertreter der betroffenen Altenstädter Geschäfte hätten sich persönlich in vergleichbar kleinen Geschäftslagen anderer Kommunen ein eigenes Bild gemacht. »Umgehung geglückt, Geschäfte tot!« sei das Ergebnis eigener Untersuchungen. Gleichwohl akzeptiert der Gewerbeverein Altenstadt aber auch befürwortende Stimmen zur Umgehungsstraße aus den eigenen Reihen, etwa von betroffenen Firmen aus dem Industriegebiet Waldsiedlung. Der Gewerbeverein Altenstadt werde in jedem Fall eine demokratische Entscheidung durch die Bürger akzeptieren. Mit Spannung werde man aber auch, so der Vorsitzende, der zeitnahen Umgestaltung der Vogelsbergstraße mit »Wohlfühl«-Charakter entgegen sehen. Wer hier mit ernsthaftem, umsetzbaren Konzept antrete, dem wolle man gerne Gehör schenken. »Träumereien räumen jedenfalls die berechtigten Ängste der Inhaber der meist kleinen Geschäfte nicht aus«, schließt Stehr.

Bürgerentscheid gegen Umgehungsstraße kommt!

Altenstadt (red). 1.277 Unterschriften für einen Bürgerentscheid gegen die geplante Umgehungsstraße bei Altenstadt liegen auf dem Tisch von Bürgermeister Syguda. Die Organisatoren der Unterschriftensammlung, Norbert Heidke (Bürgerinitiative), Karl Ventulett (Fraktion Die Grünen) und die Vertreter der Naturschutzverbände Kurt Jungkind (NABU) und Dr. Werner Neumann (BUND) sind hocherfreut über das gute Ergebnis, denn erforderlich waren nur ca. 900 Unterschriften.
»Wir danken allen Bürgerinnen und Bürgern Altenstadts für ihre Unterschrift zum Bürgerentscheid. Besonderen Dank gilt den Gewerbetreibenden und Geschäften in der Vogelsbergstraße, bei denen der größte Teil der Unterschriften geleistet wurde«, stellten die Organisatoren des Bürgerbegehrens fest. Das weitere Prozedere sieht vor, einen Bürgerentscheid in Gang zu setzen, bei dem 25 Prozent aller stimmberechtigten Einwohner – in der Großgemeinde Altenstadt rund 9.000 Wahlberechtigte – gegen den Bau der Umgehungsstraße votieren. Glückt das Vorhaben, ist die vieldiskutierte Umfahrung Altenstadts durchs Auenschutzgebiet gestorben. Wahrscheinlich für immer, weil sie dann auch nicht mehr im Bundesverkehrswegeplan erscheint.
Nun ist der Weg bereitet, dass ein Bürgerentscheid in geheimer Wahl über die formelle Frage »Sind Sie dafür, dass die Entscheidung der Gemeindevertretung für die Vorzugsvarianten 1 und 2.1. aufgehoben wird?« erfolgen kann. Dies klingt zunächst schwer verständlich. Die Frage kann, so Dr. Neumann, auch einfach formuliert werden. Die Gegner der Umgehungsstraße erhoffen sich damit ein »Ja« zur Frage: »Sind Sie gegen die Umgehungsstraße durch die Niddertalaue?«
Die wesentlichen Gründe sind weiterhin, dass die Umgehungsstraße einen immensen Schaden in der Auenlandschaft anrichten und den Boden verdichten werde. Die Hochwasserrückhaltung würde für die Naturschutzfachleute »deutlich eingeschränkt und auf andere Ortsteile und Orte verlagert«. »Wir können es nicht verantworten, dass erst der Naturraum um Altenstadt mit viel ehrenamtlicher Arbeit und öffentlichen Mitteln geschützt und überregional ausgezeichnet wird und dann mit der Ortsumgehung eine jahrzehntelange Arbeit zunichte gemacht werden soll«, betonten Kurt Jungkind und Werner Neumann. Karl Ventulett stellte fest, dass die gesamten Untersuchungen und Verkehrszählungen allesamt neu erstellt werden müssten, wie ein Gutachten ergeben hatte: »Wir sollten nicht noch mehr Geld für eine Neubauplanung ausgeben, wo die Bundes- und Landesregierung noch nicht mal das Geld für die Instandhaltung der Straßen haben.« Norbert Heidke dankte besonders den Geschäften in der Vogelsbergstraße, da diese auch klar zum Ausdruck gebracht hatten, dass mit einer Ortsumgehung weitere Schließungen oder Entlassungen zu befürchten wären. »Es ist ein Unsinn, mit öffentlichen Geldern gezielt Gewerbebetrieben das Leben schwer zu machen«, so Heidke.
Noch wichtiger werde es nun, konkrete Alternativen auszuarbeiten, wie zum Beispiel die Verbesserung von Fahrradwegen und Stellplätzen und vor allem mehr Attraktivität für die Vogelsbergsstraße. Dann, so ist das Bündnis zuversichtlich, werde es gelingen, bei einem Bürgerentscheid genügend Stimmen zu gewinnen, um die Planungen der Umgehungsstraße zu stoppen. Das Motto der Gemeinde könne wahr werden: Ein li(e)benswertes Altenstadt, wo man gerne einkauft, mit Verkehrsreduzierung, einer begrünten Vogelsbergstraße und einem dauerhaft geschützen Auengebiet für den Naturschutz und die Erholung.

 

 

 

Damit wir Altenstädter Bürger entscheiden!

"Bürger gegen Ortsumgehung" – diese Gemeinschaft hat sich zur Durchführung eines Bürgerbegehrens entschieden. "Die Hessische Gemeinde Ordnung (HGO) regelt die Rahmenbedingungen für einen Bürgerentscheid. Seit einigen Tagen haben berechtigte Personen – dies sind alle in Altenstadt lebenden Wahlberechtigten – die Möglichkeit, sich mit ihrer Unterschrift gegen den Beschluss der Gemeindevertretung vom 6. Juli 2014 auszusprechen", so Norbert Heidke. "Mehrfach wurde in der Gemeindevertretung betont, welch hohen Stellenwert das Bürgervotum von mehr als 2.000 Unterzeichnern hat. Mehrfach wurde versichert, wie wichtig das mehr als eindeutige Votum der Ortsbeiräte ist, dies wurde sogar öffentlich im Internet bekundet. Leider blieb es dennoch nur bei Lippenbekenntnissen, viel schlimmer noch: Den Ortsbeiräten von Oberau wurde ihre Souveränität sogar öffentlich während der Sitzung abgesprochen! Diese Vorgehensweise entspricht in keinster Weise den parlamentarischen Grundregeln einer Demokratie und ist daher in keiner Weise akzeptabel."
Das angestrebte Bürgerbegehren ist die Grundlage für einen Bürgerentscheid und stellt laut Gesetz eine direkte Beteiligung der Bürger an der Entscheidung dar. Dieses Bürgerrecht ist ein Sockel unserer Demokratie. Jeder wahlberechtigte Bürger hat jetzt die Möglichkeit, mit seiner Stimme direkt Einfluss auf die politische Entscheidung zu nehmen.
Mit einer Unterschrift wird im Bürgerbegehren die folgende Frage mit "Ja" beantwortet: "Sind Sie dafür, dass der Beschluss der Gemeindevertretung vom 6. Juni 2014 (TOP 32/0514) den Vorzugsvarianten 1 und 2.1 der Ortsumgehung Altenstadt zuzustimmen, aufgehoben wird?"
"Ende Juli 2014 werden dann die gesammelten Unterschriften – notwendig sind ca. 1.000 – der Gemeindeverwaltung übergeben. Danach leitet die Gemeinde Altenstadt  einen Bürgerentscheid in die Wege."  Innerhalb von 6 Monaten kommt es dann zu einer Abstimmung, die in ihrer Vorbereitung und der Durchführung mit einer Wahl zu vergleichen ist. In mehreren Geschäften in Altenstadt kann die Unterschrift geleistet werden.
Norbert Heidke "Bürger gegen Ortsumgehung"

 

 

Gewerbeverein: »Faktenloses FDP-Statement«

 

Altenstadt (red). »Ratlosigkeit spricht aus der Pressemitteilung der FDP Altenstadt zum Thema Umgehungsstraße«, eröffnet der Vorstand des Gewerbevereins Altenstadt ein eigenes Statement zur FDP-Darstellung im KA vom Samstag. Die FDP stelle sich selbst ins Abseits, so Gewerbevereins-Vorsitzender Hans-Dieter Stehr, wenn sie einerseits von »fehlenden Argumenten des Gewerbevereins und der Naturschützer« spreche, diesen aber eine »beispiellose Kampagne« zugestehe. »Herr Platen versteht offenbar nicht die Ängste seiner Mitbürger«, folgert Stehr und fragt: »Was ist schlimm daran, wenn unsere Vorgänger vor 20 Jahren, als die Welt für den Einzelhandel noch heil war, die Umgehungsstraße befürworteten, wir uns jetzt aber einer aktuellen und vollständig geänderten Situation stellen müssen?« Der Gewerbevereins-Chef: »Der FDP fehlen Aktualität und Mut, die Realität zu akzeptieren. Sie hängt einem Jahrzehnte alten Verfahren nach und setzt sich demagogisch über berechtigte Bürgerinteressen hinweg!«.
Wo blieben denn die Fakten der FDP Altenstadt und ihres Sprechers Christoph Platen wundert sich Stehr? Durch die »Verunsicherungskampagne von Gegnern einer Umgehungsstraße«, gemeint sind Naturschützer und Gewerbeverein, sei in weiten Teilen der  Bevölkerung ein Umdenken oder Wachwerden erfolgt. Gott sei Dank, so der Gewerbeverein, denn damit wurden offenbar zumindest einige Gemeindepolitiker zum Nachdenken gebracht. Mit handfesten Fakten, die in der Tat mittlerweile öffentlich diskutiert werden, aber bei der FDP wohl noch nicht angekommen seien. Der Gewerbeverein Altenstadt erinnert noch einmal an die Daten, die Christoph Platen wohl schon vergessen habe. Der Vorstand des Gewerbevereins habe, sehe man es politisch, ein »überzeugendes Mandat« von fast allen Inhabern der Fachgeschäfte in der Vogelsbergstraße, die ohne Ausnahme von Existenzängsten betroffen sind. »Und diesem Auftrag gehen wir nach!« bekräftigt Stehr. Und wundert sich, woher Chistoph Platen so exzellente Kenntnisse von den Geschäften in der Vogelsbergstraße habe, wenn er von deren »Problemen« spreche. Fest steht, so Stehr, dass es in der Vogelsbergstraße bis jetzt nur zwei »hausgemachte Leerstände« im ehemaligen »Jagdland« und dem »Schwarzen Adler« gebe, an denen weder der Gewerbeverein, noch die Gemeinde etwas ändern könnten. »Während wir heute noch von einer intakten Geschäftsstraße mit einem vom Gewerbeverein und den Firmen initiierten und finanzierten Kulturbeitrag sprechen können, sollten sich Herr Platen und seine Fraktion lieber der ungelösten Bausubstanz am Kreisel zuwenden. Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass es hier schwer ist, Lösungen herbeizuführen. Deshalb würde der Gewerbeverein aber niemanden an den Pranger stellen«, schreibt der Gewerbeverein.
Natürlich kenne auch der Gewerbevereinsvorstand die Spitzenbelastungen in der Vogelsbergstraße und freue sich über die Besorgtheit mancher Politiker, die gerne in Altenstadt einkaufen würden, es aber wegen des starken Verkehrs nicht können. »Wieviel Verkehr darf es denn weniger sein, bis wir auch diese Altenstädter Politiker in unseren Fachgeschäften sehen«, fragt der Gewerbevereins-Vorsitzende?
Der Gewerbevereinsvorstand will aber keine Polemik, sondern die verträglichste Lösung nach Abgleich aller aktuellen Fakten unter Berücksichtigung und Einbindung der Großbetriebe in der Waldsiedlung. Deshalb vorrangig die Forderung des Gewerbevereins Altenstadt an die Altenstädter Politik, ernsthaft und mit öffentlicher Darstellung, nach Alternativen zur Umgehungsstraße zu suchen, die den Menschen und dem Naturschutz gerecht werden. »Ich höre bei meinen Recherchen immer: Das geht nicht!«, so Stehr. Das Warum oder eine Lösung finde man dagegen andernorts.
Herr Platen, so Gewerbevereins-Vorsitzender Hans-Dieter Stehr, in der Pressemitteilung weiter, müsse sich auch die Frage gefallen lassen, wie er die geplante Umgehungsstraße mit ihren bekannten Immissionen und Emissionen entlang der gesamten Altenstädter Ortslage seinen Mitbürgern erklären wolle. Stehr vermisst eine intensive Auseinandersetzung durch die Einholung von aktuellen Fakten, wie sie beispielsweise Diplomgeograf Wulf Hahn (Regio Consult) für den BUND präsentierte und die dem Gewerbeverein nach persönlichen Recherchen in anderen Kommunen, Firmen in der Vogelsbergstraße, aber auch den Großbetrieben in der Waldsiedlung vorliegen. In der Bürgerversammlung konnte BUND-Vertreter Hahn argumentativ und fachlich die aus dem Jahr 2005 basierenden Zahlen und Fakten aushebeln. Überholte Fakten, so der Gewerbevereinschef, die auch für die FDP im Dezember 2013 dazu geführt hätten, die Umgehungsstraße kommentarlos zu beschließen. Der Vorsitzende des Gewerbevereins: »Nur mit leeren Worthülsen kann man die Menschen in Altenstadt von der Notwendigkeit einer Umgehungsstraße nicht überzeugen!«
Der Gewerbeverein empfiehlt den beiden FDP-Mandatsträgern Altenstadt dringend, zur gebotenen Sachlichkeit zurückzukehren und ihrerseits nachvollziehbare Argumente zu liefern, wie, so Stehr, vor allem die Naturschützer und Grünen. Die waren offenbar so eindringlich, dass es zu großer öffentlichen Aufmerksamkeit und emotionalen Tumulten bei der Bürgerversammlung kam.
Es gehe nicht nur um Prüfung von Fakten zur Umgehungsstraße. Der Gewerbevereins-Vorsitzende erwartet jetzt Initiativen für eine Umgestaltung der Vogelsbergstraße und vor allem für eine Umwandlung der Ampelkreuzung Oberau in einen Kreisverkehr. »Damit«, so Stehr, »sei allen Firmen in der Waldsiedlung wirklich geholfen«. Denn an den langen Rot- und nur 20-Sekunden-Grünphasen entstünden viel längere Wartezeiten als bei einem Stopp vor der Bahn.
In der nächsten Zeit wolle der Gewerbeverein jedenfalls mit gutem Beispiel voran gehen und nach eigenen Lösungen für eine Umgestaltung der Vogelsbergstraße suchen.
Von den Befürwortern der Umgehungsstraße, so Stehr abschließend, werde gerne die schnelle Anbindung aus dem Frankfurter Raum in Richtung Altenstadt gesprochen. Aber nur Heldenbergen erhalte eine Ortsumgehung, während die Ortsdurchfahrt Büdesheim längst nicht diese Breite wie Altenstadt aufweise und noch mehr ein Nadelöhr als die Vogelsbergstraße in Altenstadt sei.

 

Stellungnahme des Gewerbevereins Altenstadt
zur Stellungnahme des Gemeindevorstandes Altenstadt zu den Artikeln über die Ortsumgehung Altenstadt in der »Neuen Wochenpost« und dem »Kreis-Anzeiger«


Punkt 1: Es stimmt, dass die Gemeinde an der Ortsumgehung seit Mitte der 90er Jahre festhält. Man muss schon ein Ziel vor Augen haben. Fakt ist aber auch, dass erst jetzt die Öffentlichkeit die geplante Südumgehung wahrnimmt – und angesichts des Bauvorhabens erschreckt. Der Gewerbeverein Altenstadt setzt sich für eine bessere Informationspolitik und eine aktuelle Abwägung der Fakten ein, statt einseitig nur ein Bauvorhaben zu verfolgen. Möglicher weise käme selbst ein Gemeindevorstand nach Kenntnis aller Vor- und Nachteile, der neuen Widerstände aus der Bevölkerung und der konsequenten Prüfung eines Autobahnanschlusses Industriegebiet Waldsiedlung (wie in Langenselbold oder Alzenau) zu einem anderen Ergebnis.
Die »Verpflichtung gegenüber nachfolgenden Generationen« ehrt den Gemeindevorstand. Gleiches gilt aber auch für die Erhaltung der Lebensqualität und des Lebensraumes Auenlandschaft in Kenntnis möglicher Wetterlagen, die dramatische Auswirkungen im »Flaschenhals« Retentionsraum zwischen Emmahof und Oberau haben werden. Im übrigen: Hier wird eine Umweltgefährdung minimiert, während in den 90er Jahren monatelang, immer wieder von Herrn Fleischmann geänderte und aktualisierte Anträg,  von Herrn Fredy Stoll vom REWE-Markt Oberau, verzögert und verschleppt wurden. Es ging damals um ein paar Meter Land, um eine damals hochmoderne Retourette-Flaschenentsorgungstation zu bauen. Das Vorhaben scheiterte an der Altenstädter Politik.

Punkt 2, 3 und 4: Woher nimmt der Gewerbevereins-Vorstand die Gewissheit, dass Ortsumgehungen nicht zu Geschäftsschließungen führen? Gehen Sie doch einmal ins Detail und verlassen sich nicht nur auf einzelne Telefonate. Zufälliger weise ist Herr Albrecht Nies als 1. Vorsitzender des Gewerbevereins Hungen REWE-Kaufmann und mir bekannt. Herr Nies besitzt zwei REWE-Läden in Hungen. Einen zufälligerweise an der Umgehungsstraße und damit leicht erreichbar. Und weil die Umgehung Hungen immer als gelungen dargestellt wird: Wer vom Gemeindevorstand war denn persönlich schon vor Ort? Ich war da und Frau Weih ebenfalls. Hungen mit Altenstadt zu vergleichen ist dilettantisch – allein schon wegen der dreifachen Geschäfte bis hin zum Bettenhaus. Wer hat sich vom Gemeindevorstand die Mühe gemacht, in Hungen mit Geschäftsinhabern zu sprechen? Dort gibt es Leerstände, weil der Umsatz fehlt! Selbst gut gehende Metzgereien mussten schließen. In Altenstadt gibt es zwei Leerstände in der Vogelsbergstraße, die weder etwas mit Konsumverhalten, noch fehlendem Geschäftsnachfolger zu tun haben – und an denen weder der Gewerbeverein noch die Kommune etwas ändern kann: Im Fall Geschäftshaus Klier, im Fall »Schwarzer Adler« und im Fall Kreisel/Beutler. Aber: Das neue Outdoor-Fachgeschäft Rosesport in Spielwaren-Eberhardt kam auf mein Betreiben von Büdingen nach Altenstadt. Weiß der Gemeindevorstand auch davon, dass der REWE-Markt Altenstadt von einem selbständigen REWE-Kaufmann übernommen wurde und in diesem Jahr von der REWE-Zentrale erneuert werden soll?
Wer unterschreibt ferner die Aussage: »Die wesentliche Kundschaft kommt gezielt in die Vogelsbergstraße«? Fakt ist: Viele der Politiker, die sich jetzt für eine Vogelsbergstraße mit Einkaufsflair stark machen, werden in Altenstadts Geschäften kaum oder selten gesehen. Dagegen kann man aus den Auftragsbüchern der Geschäfte ablesen, wo eine Vielzahl der Kunden herkommt. Und unsere Geschäfte sprechen mit den Kunden. Es ließen sich viele Beispiele aufzählen, wo Kunden zig mal durch die Vogelsbergstraße fahren, und doch einen Parkplatz erwischen – und danach zu treuen Kunden werden.
Im Übrigen sind der Kreativität der Geschäfte Grenzen gesetzt, wo sie nicht im Eigentum stehen. Der Gewerbeverein wird sich jedenfalls nach Kräften bemühen, bei einer Umgestaltung der Vogelsbergstraße mitzuhelfen. Die kann gerne sofort erfolgen. Dann wird man die Kosten sehen – und wer sie tragen soll. Bei einem Rückbau der Vogelsbergstraße nach der Umgehungsstraße wird man unserer Einschätzung nicht mehr viel umzubauen brauchen – es werden dann wenige oder keine Geschäfte mehr da sein.

Punkt 5, 6, und 7: Die Frage der Umbaukosten der Vogelsbergstraße beantwortet der Gemeindevorstand selbst: Von der Abstufung ist abhängig, wer welche Kosten zu übernehmen hat. Und wenn das so ungeklärt bleibt wie die Brückensanierung zwischen Altenstadt und Oberau – gute Nacht Vogelsbergstraße und Anlieger!

Punkt 8: Wieder eine Behauptung in den Raum gestellt: Natürlich verfallen die Immobilienwerte, wenn aus einer 1a-Lage eine 3b-Lage wird. Wer will noch etwas kaufen, das als Geschäftslage nichts mehr wert ist? Der Gemeindevorstand soll sich in Nidda Ortslage oder in Schotten oder Gedern einmal kundig machen, was dort Geschäftshäuser kosten. Ein Tipp: Die Immobilienabteilung der VR Bank Main-Kinzig-Büdingen kennt sich bestens aus. Auch mit dem dramatischen Nord-Süd-Gefälle. Zum Thema Aral-Tankstelle Altenstadt: Mit der »vertretbaren Lösung« gut gebrüllt Löwe. Nach dem Gewerbeverein vorliegenden Zahlen kostet eine Umsiedlung der Tankstelle schlappe 1,5 Millionen Euro. Will sich die Gemeinde daran beteiligen? Klasse! Wir denken, der Part bleibt an der Familie Gering-Götz und der Aral hängen …

Punkt 9: Die Zahlen der hohen Verkehrsbelastung berufen sich auf Zahlen von 2005. Der Autoverkehr ist zwar nicht prickelnd, aber zumutbar, weil in Büdingen und Nidda als weitere Mittelzentren das Einkaufsverhalten auch durch einen starken Verkehr belastet ist. Noch mehr (!) die Zentren in Nidda Unter der Stadt oder REWE in Büdingen. Beim Schwerlastverkehr halte ich eine eigene Anschauung, sicher nicht statistisch belastbar, aber praxisnah dagegen: Am Freitag, dem 31.1.2014, um 11.30 Uhr, habe ich am Kreisel eine halbe Stunde lang Bilder von Lastwagen und dem Durchgangsverkehr gemacht. 8 von 10 gezählten Lastwagen sind in die Waldsiedlung gefahren oder kamen von dort in Richtung Auobahn. Nur zwei Lastwagen fuhren auf der B 521 weiter. Nicht repräsentativ, aber aufschlussreich.
Warum erkennt man beim Gemeindevorstand nicht endlich die Notwendigkeit, auf eine Autobahnabfahrt Waldsiedlung zu drängen. Der Gemeindevorstand muss sich selbst kundig machen. Nur soviel: Kennt der Gemeindevorstand die Lastwagenbewegungen der Großbetriebe in der Waldsiedlung? Ich kenne zumindest zwei.
Die Belastung der Innerortslage durch Emissionen und Immissionen anzuführen, ist schwach! Seit Jahrzehnten arrangieren sich die Geschäftsinhaber und Mieter (durch günstige Mietpreise wegen des Verkehrs) mit dem Durchgangsverkehr. Der Gewerbeverein hat noch nie – entgegen in Orleshausen oder Selters – in der Vogelsbergstraße Banner für eine Umgehung gesehen. Selbst bei der Bürgerversammlung sprachen sich nur Kommunalpolitiker für eine Umgehungsstraße aus! Nach Altenstadts Ehrenbürger Karl Winther warnte Frau Johann, die viel für Altenstadts Geschichte getan hat, vor persönlichem Schaden durch Hochwasser. Die Verlagerung auf eine ca. drei Kilometer lange Umfahrung trägt diese Emissionen und Immissionen in die Ortslage. Menschen, die davon noch nie betroffen waren, müssen sie hinnehmen. Und beim Thema Immissionen mussten bei der Bürgerversammlung die HessenMobil-Vertreter zugeben, dass ihre Daten nicht aktuell sind.

Punkt 10: Der Gemeindevorstand schreibt, die Umgehungsstraße habe »keine Durchschneidung des Auenverbundes zur Folge«. Das stimmt. Aber wer vom Gemeindevorstand hat sich den »Flaschenhals« am Emmahof und seine Auswirkungen auf die Kapillarwirkung im Boden angeschaut? Durch den Druck der tonnenschweren Trasse entlang des Auenschutzgebietes entsteht mit Sicherheit eine Situation, die künftige Hochwasser kanalisiert und schneller in die Talaue Richtung Höchst/Eichen abfließen lässt. Und wenn dann HessenMobil davon spricht, in 20 Kilometern Entfernung neue Retentionsräume zu schaffen, ist das ein Schlag ins Gesicht der Menschen, die unterhalb Altenstadts wohnen. Ein begreifliches Beispiel des Vorsitzenden des Naturschutzbeirates im Wetteraukreis, Alfred Leiß: »Legen Sie auf einen Schwamm ein Stück Eisen«. Die Folgen kann sich jeder selbst ausmalen.
Die Lindheimer Ortsumgehung kann nicht als positives Beispiel herangezogen werden, weil sie sich entlang der Ortslage bewegt  und genügend Retentionsräume übrig lässt. Allein die Sichtachse Richtung Autobahn und Limeshain bestätigt das. Die Situation am Emmahof ist anders.
Das »Schutzgut Mensch« bewerten viele Gegner der Umgehungsstraße aus all den oben angeführten Gründen anders. Und viele, sehr viele Bürger, die nicht der Grünen-Bewegung entstammen, sehen das mittlerweile genauso, wie die ersten Reaktionen zeigen,.
Ein Gemeindevorstand hat in erster Linie die Interessen seiner Bürger zu vertreten. Und nicht derer, die möglichst schnell für teures Betongeld um Altenstadt herum wollen. Es sind noch viele Unwägbarkeiten, die hier nicht angesprochen werden sollen, aber zur Diskussion stehen, zu klären.
Dem Parlament und Gemeindevorstand wünscht der Gewerbeverein Altenstadt für die richtige, zukunftsweise und Menschen wie Natur schützende Entscheidung viel Herz und Verstand.

V.i.S.d.P. Hans-Dieter Stehr
1. Vorsitzender des Gewerbe- und Verkehrsvereins Altenstadt

 

  

 

 

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